Fast 2100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten sich zu den 7. Europameisterschaften der Seniorinnen und Senioren, offizieller Titel „European Veterans Championship Table Tennis 2007", in Rotterdam angemeldet. Allein 400 der „Veteranen" gingen in der Altersklasse der 50- bis 59-jährigen Herren an den Start. Einer davon, der 1. Vorsitzende des TTC Burrweiler, Hans Fey.
In der nach Amsterdam mit fast 586.000 Einwohnern zweitgrößten niederländischen Metropole, die sonst eher durch ihren Fußball-Club Feyenoord, als durch Tischtennis auf sich aufmerksam macht, wollte der „Ur-Burrer" aus Godramstein, seine Spuren hinterlassen. Ich nehme es vorweg; für mein dafürhalten ist ihm dies bestens gelungen. Die Gefahr, in der sechs Meter unter dem Meeresspiegel liegenden Stadt, vielleicht unterzugehen, bestand nie, wusste sich der TTC-Chef an den Tischen im Sport Palace Ahoy doch, bildlich gesprochen, glänzend über Wasser zu halten.
Ob er neben den Duftmarken in der Halle auch in der Stadt seine Spuren, z. B. im größten Seehafen Europas oder im den Fußballkennern bestens bekannten Stadion „De Kuip", hinterlassen hat, ist mir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt, er wird es uns aber sicherlich sofort nach seiner Rückkehr wissen lassen.
Sage und schreibe 97 Vorrundengruppen wurden allein in der Altersklasse gebildet, in der sich Hans Fey einreihte. Jeweils der Gruppensieger und der -zweite erreichten das Hauptfeld.
In Vorrundengruppe Nr. 52 des Herren-Einzels hatte unser fast noch „Jung-Senior" eine durchaus attraktive Gruppe erwischt, traf er doch mit Chris Turpin aus England, Jan Pech aus der Tschechischen Republik und Jean-Pierre Lavalard aus Frankreich auf drei ausländische Konkurrenten.
Jan Pech machte es ihm in der Auftaktbegegnung nicht leicht. Erst in der Verlängerung des ersten Satzes konnte sich unser „Präsi" durchsetzen. Dann hatte er das Spiel aber im Griff und ging als 3:0-Sieger vom Tisch.
Chris Turpin entpuppte sich im zweiten Match als der stärkste Gruppengegner. Er glich einen 0:1-Satzrückstand durch einen spektakulären 21:19-Sieg im zweiten Durchgang aus. Damit schien Turpin aber nur Hans Feys bekannt großen Kampfgeist geweckt zu haben. Der spielte nämlich nun ganz groß auf und ließ dem Briten in den Sätzen drei und vier nicht mehr den Hauch einer Chance.
Zur Pflichtaufgabe wurde dann das letzte Vorrundenspiel gegen Jean-Pierre Lavalard. Der Franzose wies doch nicht die Klasse eines Turpin und auch nicht die Stärke von Pech auf, sodass der 53-jährige Fey einen sicheren 3:0-Erfolg einfuhr und den Tag als Gruppensieger beendete.
Erster Gegner in der KO-Runde war dann Otto Graf aus Österreich, der sich als Zweiter der Vorrundengruppe 29 mit zwei Siegen und einer Niederlage ins Hauptfeld gekämpft hatte. Wusste sich der „Ösi" im ersten Satz noch gut zu wehren und unserem „Superblocker" beim 11:8 das Leben schwer zu machen, ging Durchgang zwei mit 11:4 deutlich an Fey. Im dritten Set hielt Graf nochmals gut mit, doch das Duell Burrweiler gegen Wien endete mit 11:7, und so zog unser Pfälzer in die nächste Runde ein.
Während Hans Fey in Burrweiler in den letzten Monaten und Wochen mit einem Professor Dr. Dr. und einem weiteren Doktor schöne Tischtennis-Spiele absolvierte und mit diesen Herren auch sonst nette Erlebnisse rund um den Zelluloidball hatte, stand ihm diesmal ein anderer Doktor beim Weiterkommen in die Runde der besten 64 der EM im Weg.
Der Franzose Jean-Jacques Robert, Sieger der Gruppe 5 und in der ersten Hauptrunde mit einem Freilos ausgestattet, hatte zwei Beläge aus der Gummischmiede des Schweizers Dr. Herbert Neubauer aufgelegt, mit denen unser Hans doch seine lieben Probleme hatte. Dennoch lieferte er erneut einen großen Kampf, der aber speziell in den ersten beiden Sätzen nicht belohnt wurde. Zweimal mit 11:13 in der Verlängerung setzte sich der Mann aus Burgund durch. Auch das dritte Set war hart umkämpft und der TTC-Boss hielt voll mit, konnte aber die Wende nicht mehr herbeiführen und unterlag mit 9:11.
Damit musste er sich aus dem für ihn dennoch glänzend verlaufenen Einzelturnier verabschieden. Schade, hätte bei einem Weiterkommen doch zwei Runden später der sechsfache Weltmeister der Aktiven aus den 70er Jahren und fünffache Weltmeister der Senioren, Liang Geliang, als Gegner gewartet.
Die Ergebnisse von Hans Fey im Einzel in der Übersicht
Vorrundengruppe Nr. 52
Chris Turpin (ENG) – Jean-Pierre Lavalard (FRA) 11:6, 11:6, 11:6,
Jan Pech (CZE) – Hans Fey (GER) 13:15, 5:11, 4:11,
Jan Pech (CZE) – Jean-Pierre Lavalard (FRA) 11:4, 11:3, 11:5,
Chris Turpin (ENG) – Hans Fey (GER) 8:11, 21:19, 5:11, 4:11,
Jan Pech (CZE) – Chris Turpin (ENG) 11:9, 11:9, 5:11, 5:11, 8:11,
Jean-Pierre Lavalard (FRA) – Hans Fey (GER) 1:11, 6:11, 6:11,
Abschlusstabelle
1. Hans Fey (Deutschland) 9:1 Sätze 3:0 Spiele
2. Chris Turpin (England) 7:5 Sätze 2:1 Spiele
3. Jan Pech (Tschechische Republik) 5:6 Sätze 1:2 Spiele
4. Jean-Pierre Lavalard (Frankreich) 0:9 Sätze 0:3 Spiele
KO-Runde
1. Runde (Beste 256 Spieler)
Hans Fey (Deutschland) – Otto Graf (Österreich) 11:8, 11:4, 11:7
2. Runde (Beste 128 Spieler)
Hans Fey (Deutschland) – Jean-Jacques Robert (Frankreich) 11:13, 11:13, 9:11.

Zur Sensation fehlte nur ein Sieg
Seinen Partner für das Doppelturnier lernte Hans erst vor Ort kennen. Nachdem er in den letzten Jahren einige Turniere an der Seite von Xaver Eschenlohr aus dem bayerischen Bad Wörrishofen bestritten hatte und sich an dessen Allgäuer Dialekt gewöhnen musste, durfte er sich nun mit Udo Gansel vom TTV Goch anfreunden. Goch ist eine Stadt am Niederrhein im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen. Dort spielt Gansel, der zuletzt in der Verbandsliga (Vergleichbar der 1. Pfalzliga) für den TTV Menzelen aktiv war, in der neuen Saison in der Bezirksklasse.
Er hatte bei der EM sein Können schon im Einzel unter Beweis gestellt, wo er als Gruppenzweiter in die Hauptrunde einzog und dort im zweiten Spiel dem Schweden Mikael Petterson erst in fünf Sätzen unterlag.
Schon die ersten Trainingseindrücke ließen erkennen mit wem es Hans Fey hier zu tun hatte: „Ein noch krummerer Hund als der Xaver," so sein Urteil über seinen Mitstreiter, das dessen Spielweise beschreibt, aber keineswegs sein spielerisches Können in Abrede stellt, schließlich gewann er 2006 im Herren-Doppel den Senioren-Cup des Westdeutschen Tischtennis-Verbandes.
Der „krumme Hund" und der auch nicht immer gerade Blockspieler fanden dann prächtig zueinander.
Im ersten Spiel der Vorrunde entzauberten sie die französisch/deutsche Kombination Guy Deschamps/Wolfgang Geist in drei Sätzen.
Die zweite Partie ging kampflos an das pfälzisch-westfälische Duo, da Jean-Paul Marquass aus Belgien und Sinclair van Gelder aus den Niederlanden nicht zum Wettbewerb antraten. So mussten nur noch die Engländer George Mariner/Robert Hoare bezwungen werden, um Gruppenplatz Eins zu erreichen.
Die Männer von der Insel waren Deschamps/Geist zuvor mit 0:3 unterlegen, sodass Fey/Gansel als Favoriten ins Spiel gingen. Sie wurden dieser Rolle auch souverän gerecht und gewannen locker in drei Durchgängen.
Der Gruppensieg bedeutete für die erste Hauptrunde ein Freilos und das direkte Vordringen in die Runde der besten 64, wo Michele Giuliano aus Italien und dessen Partner Alexandre Rosmarin aus Belgien als Gegner warteten. Nach einem knapp mit 13:11 gewonnenen ersten Satz, wussten Fey/Gansel sich noch zu steigern und schickten ihre Gegner mit 11:7 und 11:5 geschlagen vom Tisch.
Unter den letzten 32 kam es dann zu einer rein deutschen Auseinandersetzung. Das Nordrhein-westfälische Duo Helmut Merkentrop, der beim TTC Dormagen in der Landesliga spielt, und Hans-Achim Theelen, der für den TTV Falken Moers in der … Bezirksklasse auf Punktejagd geht, stellten Hans Fey und Udo Gansel auf den Prüfstand. Nach ausgeglichenem Spielverlauf ging der erste Durchgang an Hans und seinen kongenialen Partner. Der Pfalz-Niederrhein-Express geriet leicht ins Stottern, als der zweite Satz mit 6:11 verloren ging. Doch dann legten die beiden nicht nur eine, sondern zwei oder gar drei Schippen drauf, holten sich den Sieg mit 11:5 im dritten und 11:4 im vierten Set und standen nun tatsächlich schon im Achtelfinale.
Mit der tschechischen Kombination Jaroslav Horak und Ivan Studecky aus der an der Elbe gelegenen Stadt Vrchlabi im Riesengebirge, wartete eine weitere unbekannte Größe. Doch der Auftakt verlief verheißungsvoll. Mit 11:3 wurden die ausländischen Gegner deklassiert. Umgekehrte Vorzeichen im zweiten Durchgang, der mit 11:4 an die Tschechen ging. Hart umkämpft dann der dritte Satz, den wiederum Fey/Gansel für sich entschieden. Diese schienen dennoch auf der Verlierstraße, als das vierte Set mit sage und schreibe 2:11 verloren ging. Doch abermals nahm das Spiel eine Wende und mit 11:5 im Entscheidungssatz standen Hans Fey und Udo Gansel sensationell im Viertelfinale der Europameisterschaft.
Hier wusste man gleich mit wem man es zu tun hatte, stand auf der anderen Seite des Tisches doch kein geringerer als Manfred Nieswand, zurzeit beim TTC Schwalbe Bergneustadt in der westdeutschen Oberliga aktiv. Der ehemalige Bundesligaspieler des TTC Altena war 1982 an der Seite von Wilfried Lieck deutscher Meister im Herrendoppel. Bei der Senioren WM 2005 im slowakischen Bratislava holte er Silber im Doppel zusammen mit Joachim Jäkel vom TTC DJK Lendringsen. Im Einzel der Senioren 50 gewann er vor vier Wochen den Titel bei den Meisterschaften in Gütersloh.
Nieswands Partner in diesem Jahr, Jürgen Erdmann, verfügt aber auch über gewisse Stärken, die er beim ASV Wuppertal in der Landesliga unter Beweis stellt. Im März wurden Nieswand/Erdmann westdeutsche Meister im Senioren-Doppel.
Das alles konnte Udo Gansel nicht erschüttern. „Da haben wir unsere Chancen", sagte er kühn zu seinem Partner. Der dachte nur: „Ist der verrückt?"
Das wohl nicht, aber an Selbstunterschätzung leidet er wohl nicht.
Leider wurde das Sensationsduo dann doch sehr hart und schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Zu eindeutig die Überlegenheit der Favoriten, die sich souverän mit 11:5, 11:9 und 11:2 durchsetzten, wobei die Außenseiter aber zumindest im zweiten und mit Abstrichen auch im dritten Satz mithalten konnten.
Damit war für Hans Fey die diesjährige EM zu Ende, bei der er nur um einen Sieg die Bronzemedaille und damit die ganz große Sensation verpasste. Trotz aller Siege auf Vereinsebene, einigen Turniersiegen, sowie Platzierungen bei Verbandstitelkämpfen, bescherten ihm diese kontinentalen Meisterschaften den bis dato größten Erfolg in seiner über vierzigjährigen Tischtennislaufbahn.
Die Ergebnisse des Doppels Hans Fey/Udo Gansel im Überblick
Vorrundengruppe Nr. 4
Guy Deschamps/Wolfgang Geist (FRA/GER) –
Hans Fey/Udo Gansel (GER/GER) 7:11, 6:11, 4:11,
Jean-Paul Marquass/Sinclair Van Gelder (BEL/NED) –
George Mariner/Robert Hoare (ENG/ENG) 0:11, 0:11, 0:11, kampflos,
Guy Deschamps/Wolfgang Geist (FRA/GER) –
George Mariner/Robert Hoare (ENG/ENG) 15:13, 11:3, 11:9,
Jean-Paul Marquass/Sinclair Van Gelder (BEL/NED) –
Hans Fey/Udo Gansel (GER/GER) 0:11, 0:11, 0:11 kampflos
Guy Deschamps/Wolfgang Geist (FRA/GER) –
Jean-Paul Marquass/Sinclair Van Gelder (BEL/NED) 11:0, 11:0, 11:0, kampflos,
George Mariner/Robert Hoare (ENG/ENG) –
Hans Fey/Udo Gansel (GER/GER) 5:11, 4:11, 3:11.
Abschlusstabelle
1. Hans Fey/Udo Gansel (beide Deutschland) 9:0 Sätze 3:0 Spiele
2. Guy Deschamps/Wolfgang Geist (Franreich/Deutschland) 6:3 Sätze 2:1 Spiele
3. George Mariner/Robert Hoare (beide England) 3:6 Sätze 2:4 Spiele
4. Jean-Paul Marquass/Sinclair Van Gelder (Belgien/Niederlande) 0.9 Sätze 0:3 Spiele
KO-Runde
1. Runde (Beste 128 Doppel)
Freilos
2. Runde (Beste 64 Doppel)
Hans Fey/Udo Gansel (beide Deutschland) –
Michele Giuliano/Alexandre Rosmarin (Italien/Belgien) 13:11, 11:7, 11:5.
3. Runde (Beste 32 Doppel)
Hans Fey/Udo Gansel (beide Deutschland) –
Helmut Merkentrop/ Hans-Achim Theelen (beide Deutschland) 15:13, 6:11, 11:5,11:4,
4. Runde (Beste 16 Doppel)
Hans Fey/Udo Gansel (beide Deutschland) –
Jaroslav Horak/Ivan Studecky (beide Tschechische Republik) 11:3, 4:11, 11:9, 2:11, 11:5,

Viertelfinale (Beste 8 Doppel)
Hans Fey/Udo Gansel (beide Deutschland) –
Jürgen Erdmann/Manfred Nieswand (beide Deutschland) 2:11, 9:11, 5:11."undefined"Senioren-Europameisterschaften